Gewohnheiten – Gegenspieler der Lebendigkeit – halten im Alten fest

Gewohnheiten geben dem Unsicheren Halt und die Illusion von Beständigkeit. Der Verursacher der Gewohnheit ist das Ego, das um seine Sicherheit, um seinen Erhalt ewig bangt. In der Gewohnheit ist alles vertraut – bleibt alles beim Alten. Veränderung und Wandel sind ihre Gegenspieler. In der Gewohnheit müssen wir uns auf nichts Neues einlassen – können so bleiben, wie wir sind. So kann unser Scheinselbst weiter bestehen bleiben. In der Gewohnheit haben wir alles unter Kontrolle. Es gibt nur Bekanntes und Vertrautes. Die Gewohnheit ist der Feind der Lebendigkeit, des Lebens. Leben bedeutet Wandel, sich verändern. Es bedeutet wachsen bis hin zur Entfaltung in der Blüte. Leben bedeutet Entwicklung, spiralförmige Bewegung, Form schaffende Dynamik. Gewohnheit kommt einem Laufen im Kreise gleich. Sie hält uns in unserer Trägheit, in unseren Problemen gefangen und verhindert, dass wir unsere wahre Identität entdecken. Es gibt unendlich viele Gewohnheiten. Sie sind zum einen eine Art Ersatzbefriedigung für die ungelebten und verdrängten Wünsche und Hoffnungen, zum anderen bieten sie Schutz vor dem Leben, vor der Veränderung. Wir unterscheiden zwischen guten und schlechten Gewohnheiten. Die guten werden meist nie hinterfragt, warum auch? Die schlechten hingegen führen uns oft in die Abhängigkeit und erzeugen dann ein schlechtes Gewissen, wenn klar wird, dass sie uns schaden. Einige dieser schädlichen Gewohnheiten blockieren regelrecht den Weg hin zum befreiten Sein. Ähnlich einer Schallplatte, die einen Sprung hat, wiederholt sich immer wieder das gleiche. Die Platte hängt. Wären wir bewusst, würden wir sehr schnell erkennen können, dass unsere Gewohnheiten das kräftige Auf-der-Stelletreten hervorrufen. Egal, ob es das abendliche Fernsehen, der Stammtischbesuch oder der wöchentliche Sonntagsspaziergang ist.

Es gibt aber noch weitaus subtilere Gewohnheiten, die aus dem Reich unserer Psyche kommen, wie beispielsweise die Gewohnheit, Dinge auf die lange Bank zu schieben, Entscheidungen anderen zu überlassen, immer alles alleine tun zu wollen. Es gibt viele Gewohnheiten in unseren Handlungen und noch mehr in unseren Ansichten und Einstellungen.  Letztere bedeuten, dass ich meinen Fokus wie bei einem Fotoapparat auf einen bestimmten Blickwinkel eingestellt habe. Je nach Art der Einstellung kann dieser weit oder eng, unscharf oder scharf sein. Ein enges Blickfeld zeigt mir nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was ist. Es geht einher mit Intoleranz, Angst vor der Andersartigkeit, mit einer gewissen Sturheit und Unbeweglichkeit.  Das Leben verläuft zum größten Teil auf eingefahrenen Gleisen und in gewohnter Weise. Das, was im Außen passiert und geschieht, ruft Reaktionen hervor. Automatismen sind an der Stundenordnung. Viele dieser Einstellungen sind geschlechts- und kulturspezifisch einfach übernommen worden. Die Zeit ist reif, sie zu hinterfragen.

Gewohnheiten erschweren die Veränderung

Tagebucheintrag Mitte Juli

Ich sitze zwischen zwei alten Eichen auf einem Hochsitz circa acht Meter über dem Erdboden. Weit und breit um mich Natur wie in einem großen Bilderbuch. Es ist neun Uhr morgens. Gezwitscher, Gezirpe und Geträller ergeben ein Konzert der besonderen Art. Ein sanfter Wind umspielt mich, während ich hier im Schatten der Blätter diese Zeilen schreibe. Der Himmel ist azurblau und es ist einer jener Morgen, die durch ihre Klarheit bezaubern. Ich habe den Hochsitz von Weitem gesehen. Umgeben von einer riesigen Wiese, das Gras meterhoch. Für einen kurzen Augenblick hatte ich den Impuls, oben auf dem Hochsitz schreiben zu wollen. Doch der bevorstehende Gang durch das meterhohe Gras ließ mich zunächst davon abkommen. Innerlich sagte ich zu mir selbst: „Ja, wenn da jetzt eine Schneise wäre, ein Weg, der zu diesen beiden Bäumen und dem Hochsitz führt, dann würde ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen.“ Ich beobachtete mein Gedankenspiel und lächelte innerlich über meine Ansprüche. So ging ich am Wiesenrain entlang und spähte verstohlen nach einem Trampelpfad, der mich vielleicht doch noch zu dem himmlischen Platz führen würde. Ich gelangte schließlich an das Ende der Wiese, wo ein paar Büsche den Rand säumten. Als ich daran vorbeigegangen war, eröffnete sich mir eine breite abgemähte Spur, die direkt zum ersehnten Platz führte. Ich war berührt, freute mich sehr und sitze nun dankbar hier und schreibe über das Brechen mit Gewohnheiten. Ich vertraue mich mehr und mehr meiner inneren geistigen Führung an und erlebe dabei so manche wundersame Überraschung. Ich werde belohnt und mein Selbst-vertrauen wächst von Tag zu Tag.

Gehen wir nochmals zurück zu den Gewohnheiten. In jeder Sekunde unseres Lebens haben wir die Freiheit, unser Denken, Reden und Handeln zu hinterfragen. Warum tun wir das, was wir tagtäglich tun? Warum sagen wir Dinge, die wir nicht so meinen, warum denken wir so über eine Angelegenheit, einen anderen Menschen?

Auszug aus meinem Buch „Die Zeit ist reif für Dich!“


Kommentare

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